Im Folgenden sind die interessantesten Änderungen und Auswirkungen des vorläufigen Normenentwurfs zusammengestellt.

Mit der Revision der ISO 9001 geht auch eine strukturelle Veränderung einher. Neu ist die so genannte „High Level Structure“, die sich an den Anforderungen der ISO Directive, Annex SL 2013, orientiert.

Zukünftig müssen die Normen für Managementsysteme also einheitlich sein: Gleiche Struktur, gleiche Gliederung, einheitliche Textbausteine sowie einheitliche Begriffe. Gleichzeitig sollen identische Kapitelüberschriften und Haupttexte eingesetzt werden.

Aber: Einfache Formulierungen sollen helfen, um ein gleiches Verständnis sicherzustellen und Interpretationsfehler auszuschließen!

Ziel der ISO 9001:2015 soll es sein, die Nutzung der Norm für alle Unternehmensarten zu erleichtern. Darüber hinaus soll die Anwendbarkeit insbesondere im Dienstleistungssektor verbessert werden. So heißt es in der Revision der Norm dann beispielsweise nicht mehr nur „Produkte“, sondern „Produkte und Dienstleistungen“.

Auch der Begriff des „Kunden“ wird aus neuen Blickwinkeln beleuchtet. Die „Kundenanforderungen“ sowie die „Anforderungen durch den Gesetzgeber und die Behörden“ werden um den „Kontext“, das heißt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens, erweitert. Wir sprechen hierbei vom so genannten „Stakeholder-Ansatz“, der als einer der aktuellsten Unternehmensgrundsätze gilt.

Je nach Unternehmen und dessen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen können sich also weitere Anforderungen im Hinblick auf relevante „interessierte Parteien“ herausstellen, die im Managementsystem dann unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Mit der Revision der ISO 9001 wird gleichzeitig Flexibilität für die unterschiedlichen Unternehmenstypen Einzug halten! Denn mit der neuen Norm werden weder formelle Anforderungen zum „Handbuch“ vorgeschrieben noch werden ausgearbeitete „Verfahrensanweisungen“ zwingend gefordert.

Kurzum: Wie detailliert Prozesse innerhalb eines Unternehmens dargestellt und schriftlich dokumentiert werden müssen, kann das Unternehmen eigenständig festlegen.

Viel eher soll mit der Revision deutlich werden, dass die Art der Dokumentation dem jeweiligen Unternehmen angemessen sein muss. Darüber hinaus dürfen Prozesse, die in einem Unternehmen gänzlich nicht vorliegen, ausgeschlossen werden.

Das Abwägen und Bewerten von Risiken und Chancen für Unternehmen zieht sich wie ein roter Faden durch die neue ISO 9001.

Prozesse werden mit Hilfe des so genannten „risikobasierten Denkens“ gelenkt. Unternehmen sind somit aufgefordert, Prozesse stets im Hinblick auf Risiken und Chancen zu betrachten und diese im Vorfeld zu ermitteln und zu bewerten.

Neu ist dieser Ansatz nicht, kennen wir diesen ja bereits schon aus der ISO-Version 2008! Wohl aber ist die Dichte an Einflussgrößen gestiegen. So müssen Unternehmen nicht mehr nur die „Abfolge und Wechselwirkungen“ von Prozessen ermitteln, sondern gleichzeitig Prozesseingaben (sog. Inputs), Prozessergebnisse (sog. Outputs) sowie die dazugehörigen Leistungsindikatoren (sog. Kennzahlen) definieren.

Allerdings gilt hier kein vorgeschriebenes Risikomanagement als Dogma!

Der erste Entwurf zur ISO 9001:2015 wurde im Mai 2014 veröffentlicht. Die endgültige Revision wird für September 2015 erwartet.

Für Unternehmen, die bereits ein bestehendes Managementsystem vorweisen können, werden Übergangsfristen gelten, in der die alte wie auch die neue Norm gültig sind.

Die Übergangsfrist beträgt 3 Jahre. Das wiederum bedeutet, dass die Umstellung des Qualitätsmanagementsystems für die meisten der bereits zertifizierten Unternehmen spätestens zum Zeitpunkt des Re-Zertifizierungsaudits erfolgen kann.

Gleichzeitig wird es einen Leitfaden zur ISO 9001:2015 geben, der parallel zur neuen Norm veröffentlich werden soll.

Wir beraten Sie gern

im Rahmen der Umstellung der ISO-Norm und ermitteln gemeinsam mit Ihnen einen effektiven Maßnahmeplan!